Thurgauer Konjunktur gewinnt leicht an Dynamik

Datum

24. August 2026

Verfasser/-in

Ulrike Baldenweg

Die Thurgauer Konjunktur nahm zuletzt wieder etwas Fahrt auf. Die Geschäftslage hat sich verbreitet aufgehellt und die Zukunftserwartungen sind verhalten positiv. Die befragten Thurgauer Industriebetriebe melden im Juli eine günstigere Geschäftslage als vor wenigen Monaten. In der Thurgauer Bauwirtschaft hat sich das Hoch weiter verstärkt. Die Geschäftslage im Detailhandel bleibt befriedigend. Auf die nächsten Monate blicken die Betriebe mit leiser Zuversicht.

Erwartete Geschäftslage in sechs Monaten

Kanton Thurgau, Umfrage vom Juli 2026

Gemäss der Juli-Umfrage gehen die Thurgauer Industriebetriebe davon aus, dass sich ihre Geschäftslage bis Ende 2026 leicht bessern wird.

Die Unternehmen des Baugewerbes erwarten verbreitet eine weitere Aufhellung ihrer Geschäftslage.

Nicht ganz so optimistisch ist man im Detailhandel. Auch hier rechnen die Betriebe jedoch mit einer etwas günstigeren Geschäftslage.

Quelle: ETH Zürich, KOF Konjunkturforschungsstelle

Industrie

In der Thurgauer Industrie geht es leicht aufwärts

Die Geschäftslage in der Thurgauer Industrie hat sich trotz des anspruchsvollen geopolitischen Umfelds aufgehellt. Im Juli 2026 meldeten mehr Betriebe eine gute (28 %) als eine schlechte (17 %) Geschäftslage. Im April hatten noch die Schlecht-Meldungen überwogen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Thurgauer Industriebetriebe meldeten im Juli eine deutlich bessere Geschäftslage als im April.
  • Trotz der leichten Besserung sind die Auftragsbücher ungenügend gefüllt.
  • Die Zukunftserwartungen sind verhalten positiv.

Die Auftragslage hat sich gebessert

Zuletzt gingen wieder mehr Bestellungen ein. Im Juli meldeten weniger Betriebe als im April zu dünne Auftragspolster. Trotzdem bleibt der Auftragsbestand ungenügend.

Personalengpässe nehmen zu – Nachfrage bleibt Schwachstelle

Mit dem regeren Bestellungseingang und der höheren Produktion berichteten im Juli wieder mehr Betriebe von Engpässen beim Personal (22 %, verglichen mit 8 % im April). Insgesamt stufen sie ihren Personalbestand jedoch nach wie vor als zu gross ein. Weitaus stärker als durch Personalengpässe werden die Unternehmen weiterhin durch die ungenügende Nachfrage beschränkt (51 % der Betriebe).

Etwas mehr Betriebe bauten Kapazitäten aus

Zur günstigeren Stimmung in der Thurgauer Industrie passt auch, dass zuletzt leicht mehr Betriebe in ihre technischen Produktionskapazitäten investierten. Erstmals seit drei Jahren stufen die Industrieunternehmen ihre Kapazitäten nicht mehr als zu gross ein.

Leise Zuversicht

Die Zukunftserwartungen der Thurgauer Industriebetriebe sind verhalten zuversichtlich. Für das dritte Quartal rechnen die Betriebe mit etwas höheren Bestellungen und leicht anziehenden Exporten. Tendenziell soll eher zusätzliches Personal eingestellt werden. Jedes dritte befragte Unternehmen erwartet höhere Einkaufspreise; dies sind nicht mehr so viele wie zuvor. Für den Ausblick auf den längeren Zeitraum von einem halben Jahr äussern sich die Betriebe ebenfalls leise optimistisch.

Baugewerbe

Die Thurgauer Bauwirtschaft läuft auf vollen Touren

Die Thurgauer Baukonjunktur floriert. Sowohl im Bauhaupt- als auch im Ausbaugewerbe meldet die überwiegende Mehrheit der Betriebe eine gute Geschäftslage.

Das Wichtigste in Kürze
  • Im Thurgauer Baugewerbe ist die Geschäftslage gut.
  • Die Nachfrage hat sich in beiden Bausparten weiter belebt.
  • Für die nächsten Monate äussern sich die Baubetriebe optimistisch.

Lebhafte Nachfrage

Die Bautätigkeit hat im zweiten Quartal weiter angezogen. Dadurch hat sich der Arbeitskräftemangel verstärkt:
Mehr als jeder zweite Betrieb klagt über personelle Engpässe und wird dadurch eingeschränkt.
Auch die Nachfrage belebte sich in beiden Bausparten weiter und die Auftragsbücher sind gut gefüllt.

Für die nächsten Monate sind die Baubetriebe optimistisch

Die Thurgauer Baubetriebe erwarten für das dritte Quartal eine weitere Belebung der Bautätigkeit und der Nachfrage. Entsprechend soll der Personalbestand aufgestockt werden. Der Preisauftrieb dürfte anhalten. Auf die Geschäftslage im längeren Zeithorizont bis Ende 2026 blicken die Betriebe, insbesondere jene des Ausbaugewerbes, ebenfalls zuversichtlich.

Detailhandel

Verhalten positive Stimmung im Thurgauer Detailhandel

Die Thurgauer Detailhändlerinnen und -händler meldeten im Juli eine befriedigende Geschäftslage. Kleine Betriebe sind stärker unter Druck als mittlere und grosse.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Geschäftslage im Thurgauer Detailhandel ist befriedigend.
  • Der mengenmässige Warenverkauf zog zuletzt an.
  • Für die Zukunft rechnen die Detailhändlerinnen und -händler mit einer leichten Verbesserung.

Im zweiten Quartal nahm der mengenmässige Warenverkauf etwas zu, die Erträge blieben stabil. Auf die nahe Zukunft blicken die Detailhandelsbetriebe vorsichtig optimistisch. Sie gehen von leicht steigenden Umsätzen bei höheren Verkaufspreisen aus. Bis zum Jahresende rechnen sie mit einer etwas günstigeren Geschäftslage.

Tourismus

Thurgauer Hotellerie startet gut in die Sommersaison

Die Logiernächte in der Thurgauer Hotellerie stiegen im zweiten Quartal um 2.8 % (gegenüber Vorjahr). Auch im gesamten ersten Halbjahr nahmen die Übernachtungszahlen zu. Vor allem Gäste aus der Schweiz übernachteten häufiger in Thurgauer Hotels.

Arbeitsmarkt

Arbeitslosenquote leicht unter Vorjahresstand

Die Arbeitslosenquote ging zuletzt – auch saisonal bedingt – zurück. Im Juli lag sie bei 2,2 % und damit leicht unter dem Vorjahresstand. Die Unterschiede zwischen den Bezirken sind jedoch deutlich. Im Oberthurgau trübte sich der Arbeitsmarkt ein. Besonders die Stadt Arbon ist von einem spürbaren Anstieg der Arbeitslosenquote auf 4.6 % betroffen.

Aussenhandel

Der Thurgauer Aussenhandel bleibt unter Druck

Im ersten Halbjahr waren die Exporte aus dem Thurgau gemäss provisorischen Daten in vielen Warenarten weiter rückläufig. Insbesondere bei Maschinen lief der Auslandsabsatz nach wie vor harzig. Dank Mehrausfuhren von Fahrzeugen stiegen die Thurgauer Exporte dennoch (+9 % gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum). Ohne die Fahrzeugbranche wären sie um 9 % zurückgegangen.

Konjunkturumfragen der KOF

Der Konjunkturbericht zur Industrie, zum Bau und zum Detailhandel basiert auf den Konjunkturumfragen der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich.
Erläuterungen zu den KOF-Konjunkturumfragen